Vom Pastor zum Firmenchef – die Geschichte von klartext

Vom Pastor zum Firmenchef

Ein ehemaliger Pastor als Firmenchef. Akustik als erste Geschäftsidee. Das ungewöhnliche Steinheimer Medientechnik-Unternehmen Klartext hat sich auf die Beschallung und medientechnische Ausstattung von Räumen spezialisiert, ob Konferenzsaal, Kirche oder Kongresshalle – und eine Marktlücke erobert.

„Ein eigenes Unternehmen zu führen ist spannend“: Jörg Mitschele machte aus der Aufgabe, Kirchen zu beschallen, eine eigene Geschäftsidee. Bereut hat der Pastor seine Planänderung nicht.

Eigentlich sollte es lediglich eine Nebentätigkeit sein. Eine Möglichkeit, Geld zu verdienen während des Studiums. 2001 war das. Jörg Mitschele, Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche und Familienvater mit Verantwortung für zwei Kinder, wollte sich beruflich verändern.

Nach seiner letzten Stelle in Schwäbisch Gmünd hatte er nun ein duales Studium in Heidenheim begonnen, Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Sozialmanagement. Drei Jahre galt es bis zum Abschluss finanziell zu überbrücken, dann wollte Mitschele sich für die Leitung einer kirchlichen oder sozialen Einrichtung bewerben. Soweit der Plan.

Stattdessen führt Mitschele nun ein Unternehmen mit fünf festen und drei freien Mitarbeitern und einer Zweigniederlassung in Burbach. Seine Firma expandiert ständig, inzwischen bietet Klartext nicht nur Beschallungen an, sondern komplette Multimedia-Lösungen, Technik für Konferenzräume mit interaktiven Whiteboards und Displays sowie komplexe Beleuchtungsanlagen. Seine Referenzliste beeindruckt, Zeiss gehört dazu, Hartmann, Liebherr in Ehingen. Die Beschallungsanlage im großen Saal des Heidenheimer Congress Centrums Heidenheim stammt ebenfalls von Klartext, auch die Planung und Bauleitung der Medientechnik im gesamten Konferenzbereich.

Die Geschäftsidee für Klartext war in der Kirche entstanden. Wer beruflich häufig in großen Räumen sprechen muss, lernt bald die Probleme kennen, die eine schlechte Beschallung mit sich bringt. Es gibt eine einfache Regel, verrät der ehemalige Pastor und schmunzelt: „Je schöner ein Raum gestaltet ist, desto herausfordernder ist die

Akustik“. Was vor allem für ältere Kirchen gilt. Einfach nur einen Lautsprecher aufstellen, funktioniere da zumeist nicht – der Hall vermischt die Worte. Aber auch Teppichboden, Vorhänge oder modern gestaltete Räume mit viel Beton, Glas und hohen Decken bringen akustische Probleme mit sich, die von Laien kaum gelöst werden können. „Da macht der Raum mit dem Lautsprecher, was er will“, so die Erfahrung des Beschallungs-Experten. Nicht nur, dass der Redner dann oft schlecht zu verstehen ist. Auch der Klang der Stimme verfälsche sich. „Die Stimme wird piepsig und dann kommt das, was man den Menschen sagen will, ganz anders an.“ Um das zu verhindern, wird der Raum von den Klartext-Experten genau unter die Lupe genommen, die Beschallungsanlagen entsprechend angepasst und aufgebaut. Zum Team gehören ein Tontechniker, ein Medientechnik-Ingenieur und ein Medienproduzent. Bei der Einstellung verlassen sie sich zu 80 Prozent auf Messtechnik, für die restlichen 20 Prozent muss nach Gehör gearbeitet werden, erläutert Mitschele.

Medientechnik hatte Mitschele schon während seiner Schulzeit begeistert. Nach Abitur und Zivildienst engagierte sich der gebürtige Karlsruher erst einmal einige Zeit für eine christliche Organisation. Bei Veranstaltungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich war er für die Technik verantwortlich, für neun Filmprojektoren, Riesenleinwände und eine Diashow. Nach dem Ende des Einsatzes folgten fünf Jahre Studium in Reutlingen zum Beruf des Pastors, erste Gemeindestellen und schließlich das zweite Studium in Heidenheim – mit der Gründung von Klartext, gemeinsam mit einem Kommilitonen, der heute allerdings nicht mehr im Unternehmen tätig ist.

Erst waren es nur christliche Gemeinden, für die man die Beschallung übernahm. Zu den Kirchen, die im Landkreis Heidenheim von Klartext beschallt wurden, gehören beispielsweise die Waldkirche in Heidenheim und die Stadtkirche in Giengen. Der gute Klang, den die Studenten in den Kirchen erreichten, sorgte für viel positive Resonanz, Empfehlungen und neue Aufträge – bald auch außerhalb der Kirche. Bis das Studium beendet war, hatte sich das kleine Unternehmen so gut entwickelt, dass an ein Aufhören nicht mehr zu denken war.

Bereut habe er die Planänderung nicht, sagt Jörg Mitschele: „Ein eigenes Unternehmen zu führen ist spannend.“ Man könne viel gestalten, die positiven Rückmeldungen motivieren. Außerdem könne er auch als Unternehmer christliche Werte leben – daher der Name Klartext: „Offenheit und Ehrlichkeit sind uns wichtig.“ Dies gelte sowohl für die Art, wie man ihm Team miteinander umgehe, als auch den Kunden gegenüber.

Ganz abgelegt hat er seine Berufung als Pastor auch als Unternehmer nicht. Jörg Mitschele ist Notfallseelsorger und er ist als Prediger für die evangelischen-methodistischen Gemeinden in Aalen und Heidenheim im Einsatz – ehrenamtlich.